HORST SCHMIDT

Horst Schmidt (*1922 in Breslau †2008 in Aarau)


1937-1952 Angestellter und Beamter der Deutschen Reichsbahn mit Kriegsdienst in Russland und im Westen, wo er bei Sterkrade 1945 verwundet wird. 1946-1952 privates Gesangsstudium in Leipzig, da ihm als Beamtensohn aus politischen Gründen ein Hochschulstudium verweigert wird. 1952-1956 Qualifizierung vom Chortenor zum jugendlichen Heldentenor, welches Fach er bis 1966 an den Bühnen Eisenach, Meiningen und Halberstadt singt, Gastverträge und Gastspiele an den Theatern Nordhausen, Erfurt, Weimar, Dessau, Gera und Magdeburg. Aushilfs-und Büroarbeiten in der Industrie, dann Chortenor an den Theatern Halle und Weimar (in Weimar fristlose Entlassung, weil er den Schiessbefehl an der Mauer als Mord bezeichnet). Ab 1971 Chargentenor am Theater Rudolstadt, wo er seine Frau bei einem Kirchenkonzert kennen lernt. 1975 Kündigung seines letzten Theaterengagements seiner wegen Kirchenkonzerte. Neben der Konzerttätigkeit ist er Kirchensteuereinnehmer für das Kreiskirchenamt Gotha und Teilnahme an einer theologischen Ausbildung -im Fernunterricht der evang. Landeskirche Magdeburg. 1989 Herausgabe seiner ersten Orgelpublikation "Die Orgeln des Landkreises Waldshut". Bis jetzt konnten 1151 Orgelmusiken auf internationaler Basis ausgeführt werden (beide Teile Deutschland, Dänemark, Belgien, Frankreich, Italien, Österreich, Liechtenstein, Schweiz). Horst Schmidt ist am 09.07.2008 im Kreis seiner Familie an Folgen seiner Krankheit gestorben - Seine Taten und wertvollen Lebenswerke werden für immer weiter getragen werden.
 

Auszüge aus der Presse

 

Konzert in Gräfenhainichen
Der älteste Tenor in Deutschland sang
Brita Schmidt und Horst Schmidt begeisterten


Von WOLFGANG GRAHL
Gräfenhainichen „Ich bin der älteste Tenor der Welt", sagt Horst Schmidt und erregt damit erst einmal Verwunderung. Tatsächlich, die 80 Jahre sieht man dem Mann mit dem verworrenen Lebenslauf nun wirklich nicht an. Und schon gar nicht, wenn der Tenor von der Empore seine Stimme ins Kirchenschiff schickt. In Breslau geboren, bei der Bahn gelernt und gearbeitet, nach dem Krieg in Leipzig Hobby zum Beruf gemacht und Gesang studiert, danach eine Serie von Engagements auf den Bühnen Mitteldeutschlands. Der Musik im Allgemeinen und dem Gesang im Besonderen blieb er jedoch stets verbunden. Seine 20 Jahre jüngere Frau Brita wurde für ihn so etwas wie eine kongeniale Partnerin. Sechs Diplome für verschiedene Instrumente und als Musikpädagogin in der Tasche, beherrschte die Konzertorganistin am Donnerstagabend die Orgel in der evangelischen St. Marien Kirche nach allen Regeln der Kunst. Das Programm der Schmidts war ein Querschnitt mit Orgel- und Vokalwerken verschiedener Stilepochen.

Von den Inhalten her kennzeichnete der Tenor dies so: „Es hat alles mit der Natur zu tun, mit der wir uns in letzter Zeit auseinander setzen mussten." Das Friedemann Bachsche „Kein Hälmlein wächst auf Erden' oder Franz Schuberts „Im Abendrot" konnten als gesungenes und gespieltes Beispiel gelten.
Nicht minder beeindruckend Antonin Dvoraks „Wolken und Finsternis hüllen sein Antlitz". Mit der „Darstellung der Macht Gottes im Klang der Vogelstimmen" (Schmidt) unter dem Titel „0 Stimme des Weltalls" gelang dem Duo die schwer zu meisternde Symbiose zwischen Instrument und Gesang. Höhepunkt war zweifellos die Darbietung mehrerer Prologe, Epiloge und Gesänge nach ursprünglich jüdischen Texten aus dem Warschauer Getto. Hans-Karl Eberhardt (geboren 1941) hatte für Schmidt die Texte vertont. Dafür empfindet der Sänger noch heute ein großes Maß an Dankbarkeit, obwohl es inzwischen „leider" (Schmidt) keine Verbindung mehr gäbe. Brita und Horst Schmidt wurden in Gräfenhainichen mit herzlichem Applaus verabschiedet. Gestern Abend hatten sie in Berlin ihren nächsten Auftritt.

3.10.2002 / Konzert Evangelische Kirche Gräfenhainichen (Rühlmann-Orgel)

 

Nachträgliches Wcihnachtskonzert in der Bahlinger Bergkirche
Von Jessaja bis zum Stall von Bethlehem

BAHLINGEN  Ihr 899. gemeinsames Konzert gaben am Sonntag in der Bergkirche der Tenor Horst Schmidt und seine ihn an der Orgel begleitende Ehefrau, die Konzertorganistin Brita Schmidt. Nur etwa 60 Besucher allerdings wollten das nachträgliche Weihnachtskonzert hören. Horst Schmidt spannte dabei den Bogen von der Weihnachtsweissagung des Jesaja bis hin zum Stall von Bethlehem. Seine Vorliebe gehört wohl Komponisten, die vor und nach der Wende zum 20. Jahrhundert lebten und arbeiteten. Dabei bemüht sich Schmidt, in Vergessenheit geratene Werke wieder zur Geltung zu bringen.
Das galt auch für den ersten Vortrag, die Kantate „Weihnachts-Weissagung", die erst vor 25 Jahren auf Schloß Schleiz/Thüringen entdeckt wurde und dem bereits im 18. Jahrhundert dort lebenden Johann G. Reichardt (1710 bis 1782) zugeschrieben wird. Mit seiner zugleich beweglichen wie kraftvollen Stimme wurde der Tenor diesem Werk genauso gerecht wie den nachfolgenden Liedern, die alle einen Schritt auf dem Weg nach Bethlehem darstellten.


Für die Zeit der Erwartung stand das Lied „Advent" von Richard Trunk (1879 bis 1962). Die Flucht nach Ägypten war vertreten durch „Nun wandre Maria", mit dem der Dichterkomponist Hugo Wolf (1860 bis 1903) Joseph seiner Frau Mut zusprechen läßt. Mit dem Lied „Die Hirten" von Peter Cornelius (1824 bis 1874) machte Horst Schmidt deutlich, daß es Hirten waren, welche die frohe Botschaft als erste erfuhren. Und mit "Weihnachtslied der Hirten" von Christian Friedrich Schubert (1739 bis 1791), einein weiteren bedeutenden Dichterkomponisten, wurde betont, daß Hirten auch als erste im Stall von Bethlehem das Jesuskind anbeteten.


In einem antiquarischen Buch fand der Sänger "Weihnachtsgesang" des Franzosen Adolphe Adam (1803 bis 1850), mit dem er den zweiten Teil eröffnete. Mit „Die Könige" sang er dann ein weiteres Lied aus dem "Weihnachtsliederopus" von Peter Cornelius. Das Lied „Winternacht" komponierte 1954 in der ehemaligen DDR Kurt Wolf nach einem bekannten Gedicht von Joseph von Eichendorff. Früher viel gesungen, aber dann in Vergessenheit geraten ist das "Weihnachtslied", das Wilhelm Berger (1861 bis 1911) nach einem Text von Theodor Storm schrieb. Und zum Abschluß erklang das vermeintliche Weihnachtslied "Schlafendes Jesuskind" von Hugo Wolf, denn im Text von Eduard Mörike wird hier beschrieben, wie Jesus in der Werkstatt des Joseph auf einem Haufen Hobelspäne eingeschlafen ist. Die Orgelbegleitung zu diesem letzten Lied hat Max Heger geschrieben.

Brita Schmidt begleitete ihren Mann an der Orgel nicht nur einfühlsam, sie bot mit drei Werken auch Proben ihres Könnens als Organistin, wobei sie routiniert und virtuos die Klangmöglichkeiten der Bahlinger Orgel demonstrierte. Zum Auftakt hatte sie von Johann Sebastian Bach "Präludium und Fuge in Es-Dur" vorgetragen, Später spielte „Choral a-Moll" des Franzosen Cèsar Francs (1822 bis IBM!), und zum Abschluß des Konzertes erklang das Werk eines weiteren Franzosen, von Theodore Dubois (1837 bis 1924) die „Toccata Für Orgel". Den Dank der Zuhörer an das Künstlerehepaar brachte das Publikum.

Badische Zeitung, 13.01.1994 / Konzert Evangelische Kirche Bahlingen (Steinmeyer-Orgel)

 

Künstler-Ehepaar in der Kirche




WEIDENBACH - Ein vielfältiges Programm präsentierte das Künstlerehepaar Brita und Horst Schmidt in der evangelischen Kirche in Weidenbach. Sie boten den etwa 35 Besuchern Werke von Mozart, Bach und anderen namhaften Komponisten. Am Ende der Vorstellung folgten einige Augenblicke der Stille. Mit anerkennendem Klatschen zollten dann die Besucher dem fast 80-jährigen Tenor und seiner Frau, die seinen Gesang an der Kirchenorgel begleitete, Anerkennung. Horst Schmidt begann mit 25 Jahren seine Ausbildung zum Opernsänger. Zusammen mit seiner Frau, einer diplomierten Musikwissenschaftlerin und Lehrbeauftragten an der Universität Freiburg, durfte er 1980 in die Bundesrepublik übersiedeln. Insgesamt haben die beiden in ganz Europa mehr als 1000 Orgelmusikkonzerte veranstaltet. Hier in der Region waren es in diesem Jahr bisher drei, vier weitere sollen noch folgen - unter anderem am Sonntag, 28. April, in Altenmuhr (Muhr am See). Dort wird das Paar den Gottesdienst um 10 Uhr mitgestalten.

Fränkische Landeszeitung am 27.04.2002 / Konzert in der Evangelischen Kirche Weidenbach (Steinmeyer-Orgeln)

 

Werke relativ unbekannter Komponisten aus dem 18. und dein 19. Jahrhundert wurden eindrueksvoll vorgetragen
Kirche in großen Klangraum verwandelt
Konzert mit Horst und Brita Schmidt im Gerhardshöfer Gotteshaus- Ausbildung in Eisenach, Meiningcn und Dessau

GERHARDSHOFEN- Musik sei ein Geschenk Gottes, mache die Seele fröhlich, vertreibe den Teufel und erwecke unschuldige Freude. Über Musik vergingen die Zornanwandlungen, die Begierden und der Hochmut. Diese Meinung vertrat der Reformator Martin Luther, der die Musik an die erste Stelle nach der Theologie einordnete. Die Kirchengemeinde Gerhardshofen halte in die Peter und Paul Kirche zu einem Gesangs- und Orgelkonzert geladen. Der Tenor Horst Schmidt trug, von seiner Frau Brita an der Orgel begleitet, Weihnachts- und Adventslieder von relativ unbekannten deutscher Komponisten des 18. und l9. Jahrhunderts vor. Er versuche, so der Opern- und Konzertsänger die überragende Stellung deutscher Kompositionen herauszustellen.
Seiner Ausbildung und jahrelangen Arbeit am Theater Eisenach sowie in Meiningen und Dessau angemessen bot der 1980 mit seiner Familie aus der früheren DDR übergesiedelte Künstler Werke von Albert Becker und Peter Cornelius mit ausdrucksstarker Stimme dar. Überzeugend gestaltete der 72jährige Tenor das "Schlafende Jesuskind" von Hugo Wolf, dessen technische Schwierigkeiten er souverän meisterte.Beim mittlerweile 940. gemeinsamen Konzert, dessen Einnahmen für die Erstellung von Orgelchroniken verwendet werden, zog seine Frau Brita an der Orgel im wahrsten Sinne des Wortes alle Register. Die mehrfache Diplom-Konzertorganistin wandelte die Kirche in einen großen Klangkörper um und zeigte durch ihr virtuoses Spiel die musikalischen Möglichkeiten einer kleinen Kirchenorgel.
Mit Soloslücken von Johann Sebastian Bach und Xaver Brixi stellte die in der Schweiz tätige Chorleiterin ihr technisches Können und ihre Routine eindrucksvoll unter Beweis.
Mögen die beiden Künstler die Auffassung Luthers über die Musik noch teilen, so werden sie ihm sicherlich an anderer Stelle widersprechen. Luther war der Meinung, alle weltliche Obrigkeit sei von Gott gewollt, es gebe kein Widerstandsrecht im Staat.

29.12.1994 / Konzert in der Evangelischen Kirche Gerhardshofen (Holländer-Orgel)